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Einziger Abiturjahrgang der Grafschaft erhält Zeugnisse

Ihren endgültigen Abschied vom Schülerdasein haben 126 Absolventen der drei Beruflichen Gymnasien des Landkreises am Freitag in etwas anderer Atmosphäre in dem direkt an ihre Schulen angrenzenden Euregium ge­feiert. Sie nahmen ihre Reifezeugnisse entgegen. Die Abiturienten erlang­ten einen Durchschnitt von 2,72. Zwölf Schüler erhielten eine Eins vor dem Komma.

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Die Schüler der Beruflichen Gymnasien Gesundheit und Soziales, Technik und Wirtschaft hatten aller Umstände zum Trotz und zudem als alleiniger Jahrgang in der Grafschaft die Abiturprüfung 2020 bestanden. Diese fan­den unter dem Vorsitz der drei Oberstudiendirektoren Heinrich Marheineke, Holger de Vries und Wolfgang Schönnagel statt.

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Besondere Leistungen

Die besten Leistungen erzielten Nico Hankamp (Note 1,4), Anneke Bouwer (1,6), Milva Ende (1,6), Christin Gosink (1,7) und Maite Borrink (1,9) vom Beruflichen Gymnasium Gesundheit und Soziales sowie Julian Gels (1,2), Luca Book (1,5), Chris Dobbrunz (1,5), Maxime Keuters (1,6), Lars Joostberends (1,8) und Marco Wolters (1,9) vom Beruflichen Gymnasium Technik und Yasmin Bruins (1,7) vom Beruflichen Gymnasium Wirtschaft.

Anneke Bouwer und Corinna Schneuing vom Beruflichen Gymnasium Gesundheit und Soziales erhielten von der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen für hervorragende Leistungen im Fach Evan­gelische Religion den Abiturpreis 2020.

Julian Gels und Sven Barger vom Beruflichen Gymnasium Technik erhielten eine Auszeichnung von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft für sehr gute Leistungen im Fach Physik.

Einziger Abijahrgang im Landkreis

In der von den Schülern mit Unterstützung ihrer drei Koordinatoren organisierten Entlassungsfeier setzten inspirierende, einfallsreiche, aber auch nachdenkliche Reden und Grußworte einen offiziellen Schlusspunkt unter Wochen und Monate der Anspannung. Die Abiturprüfungen waren in diesem Jahr eine bisher nicht da gewesene Herausforderung für alle – Prüflinge, Lehrkräfte, Mitwirker, Eltern und Familien. Mit Stolz können die Absolventen auf diese Leistungen blicken, zumal sie aufgrund der Umstellung vom Abitur nach zwölf Jahren (G8) zurück zu 13 Jahren (G9) der einzige Abiturjahrgang des Landkreises sind.

Moderiert wurde die Feier von Maxime Keuters und Charlotte Stake, die getreu dem Abiturmotto „Abios Muchachos – Die heißeste Stufe geht!“ durch die Veranstaltung führten. Im Zuschauerraum nahmen mit dem nötigen Abstand die Abiturienten selbst, ihre Tutoren, Schulleiter und Lehrkräfte sowie einige Ehrengäste Platz. Den Familien wurde die Teil­nahme durch eine Live-Übertragung per Video ermöglicht. Hunderte Online-Gäste nahmen also virtuell teil.

Musikalisch umrahmt wurde die Verabschiedung von Hannah und Heiko Seifert. Zudem wurde die Gelegenheit genutzt, eine Fotocollage mit Auf­nahmen von Ereignissen der letzten drei Schuljahre zu zeigen, da diese nicht wie sonst beim Abiball gezeigt werden konnte. Letzterer fiel aufgrund der besonderen Situation aus.

Die „heißeste Stufe“

Der Schulleiter der Berufsbildenden Schulen Gesundheit und Soziales, Heinrich Marheineke, griff das Abimotto auf und analysierte, worin die Auszeichnung „die heißeste Stufe“ genau liege. Liege es in den großen Mühen und Anstrengungen, den mehr als 4000 Unterrichtsstunden, nicht zählbaren Hausaufgaben, Lernphasen, Facharbeiten, Projektarbeiten, Klausuren und Präsentationen oder in den außergewöhnlichen Prü­fungsvorbereitungen für die Abiturprüfungen, die – in großer Hoffnung vieler der Anwesenden – fast nicht stattgefunden hätten? Sei es begründet darin, dass der Jahrgang eben nicht das Turboabitur nach zwölf Jahren erlangt habe, sondern sich bewusst für das System der beruflichen Bildung mit demselben Ziel, nämlich der allgemeinen Hochschulreife, entschieden habe? Denn das berufliche Profil (Agrarwirtschaft, Gesundheit-Pflege, Ökotrophologie, Sozialpädagogik, Wirtschaft, Informationstechnik oder Me­chatronik) sei eben jene zusätzliche Qualifikation neben der Studier­möglichkeit, die das Abitur dieser Absolventen besonders auszeichne. Hinzu kämen in diesem Jahr die Konkurrenzlosigkeit bei der Wahl der Studien- und Ausbildungsplätze sowie die außergewöhnliche Situation rund um die Corona-Pandemie.

Landrat Uwe Fietzek sagte: „Ihr hattet alles, was keinen Spaß macht am Abi. Und was am Abi Spaß macht, hattet ihr nicht.“ Aber immerhin hätten sie ihr Abi nicht geschenkt bekommen. Dies sei das Gute daran, dass die Prüfungen trotz allem stattgefunden hätten. Denn so können sie stolz auf sich sein und mit erhobenem Kopf ihr Abiturzeugnis präsentieren. Er riet den Absolventen, sie sollten groß denken, sich und andere herausfordern, Ansprüche an sich und ihre Zukunft stellen, die Gesellschaft gestalten und aktiv sein. Auch die Grafschaft bemühe sich darum, Fachkräften und ihren Familien ein angenehmes Lebens- und Arbeitsklima zu schaffen.

Erdulden und Ertragen

Aus der Sicht der Lehrkräfte gingen auch Björn Böhmer und Axel Friehe von den KBS auf die besonderen Zeiten ein, die den Abiturienten in diesem Jahr eine ganz außergewöhnliche Prüfung abverlangten. Dazu betrach­teten sie den Begriff der Toleranz in diesen Zeiten (vom Lateinischen tolerare: erdulden, ertragen) und betonten ihre eigenen Hoffnung, dass die Absolventen in ihrem Reifeprozess erlernt hätten, welchen Aspekten Toleranz entgegengebracht werden kann und soll. Der heutige Verzicht auf viele der schönen Dinge am Abitur könne auch etwas Positives mit sich bringen, nämlich getreu dem Motto der Kaufleute: „Jetzt verzichten, später ernten – wie bei einer Investition“. Diese Investition in die Zukunft sei sozusagen die Vorbereitung auf das Studium.

Eine weitere Besonderheit dieser Verabschiedungsfeier ergab sich durch die Ansprache von Pastor Dieter Wiggers, der diese aufgrund des nicht stattfindenden Gottesdienstes bei dieser Zeugnisübergabe hielt. Er ging auf die Zukunftsvorstellungen der Schüler ein: „Steh auf und iss, denn du hast noch einen weiten Weg vor dir.“ (Monatsspruch der Kirche für Juli). Sinn und Ziel des Weges seien zwar unklar, die Zukunft weitestgehend unsicher. Dennoch sollten wir essen. Aber was? Die Antwort sei der Schulabschluss, der über Einsatz von Zeit und Energie verschiedener Beteiligter erreicht worden sei. Er forderte sie auf, diesem Spruch zu folgen, wahrzunehmen, welche Möglichkeiten sie hätten und das Vertrauen zu lernen, den unsicheren und unklaren Weg zu gehen.

Schöne und schwere Zeiten

Saskia Spindler, Luca Book und Marlon Kolberg ließen in der Schülerrede die drei Jahre Revue passieren. Nachdem sich alle in der Einführungs­phase kennenlernen und zurechtfinden mussten, waren sie dann ziemlich schnell im Sommer 2019 in der Kursstufe 13 angelangt. Getreu dem Motto „Erst das Vergnügen, dann die Arbeit“ fanden dort erst die Kursfahrten statt, bei denen man sich dann noch einmal ganz anders kennengelernt habe.

In der Zeit bis zu den Prüfungen habe es Höhen und Tiefen, schöne und schwere Zeiten gegeben. Luca Book betonte: „Wir haben etwas erreicht, auf das wir echt stolz sein können, wir haben unser Abitur! Wir können auch auf unsere Freundschaften, Bekanntschaften und Erfahrungen stolz sein, die wir in dieser wunderbaren Zeit sammeln und erleben durften. Die meisten von uns sind in diesen drei Jahren oft über sich hinausgewachsen und manche haben sogar Stärken entdeckt, die ihnen vorher nicht bewusst waren.“ Er dankte im Namen aller Absolventen ihren Lehrern und Eltern für die Bemühungen und Unterstützung in den vergangenen Jahren und verabschiedete sich mit einem Zitat des Schriftstellers Robin Sharma: „Veränderungen sind am Anfang hart, in der Mitte chaotisch und am Ende wunderbar.“

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